Die 33. Theatertage der bayerischen Realschulen 2017 im Theater Pfütze Nürnberg sind beendet. Wir sagen ein ganz ganz herzliches "Danke" an das Organisationsteam und an das Theater Pfütze!!! Uns hat es sehr gut gefallen!

Informationen und Fotos über die 7 Aufführungen sowie weitere Infos rund um die Theatertage findet ihr unten sowie auf der Facebookseite der Theatertage.

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Einer von vielen, die die 32. Theatertage der Bayerischen Realschulen in Weilheim für die Besucher bereithielt. „Theater bewegt“ lautete denn auch treffenderweise das diesjährige Motto, das der Zuschauer an vielen Facetten und in allen neun Stücken der acht teilnehmenden Schulen hautnah miterleben konnte.

Es war ein Kraftakt, den Schüler und Kollegen der ausrichtenden Realschule Weilheim und die veranstaltende FSR (Fördergemeinschaft für das Schultheater an Realschulen e.V.) an allen drei Veranstaltungstagen und im Vorfeld zu stemmen hatten. Das Ergebnis war jedoch mehr als überzeugend. Statt Unterricht stand für Schüler, Eltern und Lehrer (allen voran StRin (RS) Sabine Junkers-Haunstetter und StRin (RS) Carola Windt-Epple) an diesen drei Tagen die Festivalbetreuung auf dem Programm. Die Klassenzimmer wichen den Schlafstätten für die etwa 200 angereisten Schüler aus ganz Bayern, die sich mit ihrem Stück für die Theatertage qualifiziert hatten.

DraculaDie Bandbreite und die Vielseitigkeit, die die 10- bis 17-Jährigen und ihre Spielleiter zeigten, waren enorm und spiegelten das Motto treffend wieder. „Bewegend“ war schon die Auswahl der dargebotenen Themen. Gruselstücke, wie „Dracula“ (Karl-Meichelbeck-Realschule Freising) und „A kloans bisserl Horror“ (Realschule der Pfingstrittstadt Bad Kötzting) zeigten, dass die Theaterschüler bei der Themenauswahl durchaus einbezogen werden.  Märchenhaftes gab es bei der Agnes-Bernauer-Schule Augsburg („Das Leben ist ein Märchen“), der English Drama Group der Realschule Weilheim mit der Bearbeitung der Eiskönigin („The Snow Queen“) und der Gnadenthal-Mädchenrealschule Ingolstadt bei ihrer Interpretation von „Krabat“ zu sehen. Andere Gruppen setzten auf zeitgemäße Themen wie die JJH-Company der Johann-Jakob-Herkomer-Realschule Füssen mit ihrer Adaption von Ionescos „Nashörner“ auf die heutige Mediennutzung („KOMM.MACH.MIT“ ), die Graf-Stauffenberg-RS Bamberg, die sich in ihrer Eigenproduktion mit dem Thema Cyber-Mobbing beschäftigte („Funny Games“) oder die RS Weißenburg  mit ihrer symbolträchtigen Fabel über einen Flüchtlingsjungen („Die besseren Wälder“).

„Euch muss klar sein, dass da draußen viele sind, die sehr gut finden, was ihr macht“, sprach Schirmherr und Buchautor Axel Hacke den jungen Darstellern bei der Eröffnungsveranstaltung ein großes Kompliment aus. Realschuldirektor Peter Pickal von der gastgebenden Realschule Weilheim betonte, dass „Theater häufig ein Anstoß für eine Bewegung ist, die ein wenig die Welt verändern kann.“ Der Vertreter des KM, Herr MR Konrad Huber, wies launig darauf hin, dass auch im Ministerium im „Theatinerkloster“ ab und an Theater herrsche, es aber Gott sei Dank dagegen 6000 Realschüler bayernweit gebe, die Theater spielten. Er dankte allen, explizit auch den Lehrkräften für ihre Arbeit und forderte die Schüler abschließend auf, nur „gscheit Theater zu machen“. In Anlehnung an das Motto der Theatertage konstatierte die Vorsitzende der FSR, Sabine Schmid, dass alles bewegt werden müsse, damit Theater an der Schule gelänge und führte neben den Schülern und ihren Lehrern auch die Schulleitungen und Ministerien an.

Bewegung – die Schultheatergruppen schienen das Motto unbewusst in ihre Stückvorbereitungen aufgesaugt zu haben, denn viele Darsteller gingen körperlich an ihre Grenzen – reizten aber auch die der Zuschauer aus. Und so spielen die Theaterspieler der JHH-Company ihr Stück KOMM.MACH.MIT nicht auf einer Bühne, sondern bewegen sich mal laufen, mal zusammenrottend, mal fallend, mal sich unter Aufbietung all ihrer Kräfte aufrichtend inmitten des Publikums – ein gelungenes Beispiel dafür, wie Theater Jugendliche mitreißen und aktivieren kann.

Die Qualifizierung für die Theatertage erfolgt stets über eine Anmeldung bei der ausrichtenden FSR. Im Anschluss daran wird ein Besuch bei einer Probe vereinbart, um sich ein Bild über die teilnehmende Gruppe zu machen. In einer Jurysitzung werden die einzelnen Stücke nach dem Probenbesuch bewertet und die Top-9 für die Schultheatertage ausgewählt. Bei den Theatertagen selbst haben die Schüler und die begleitenden Lehrkräfte die Möglichkeit, alle Stücke an wechselnden Spielorten zu erleben und anschließend in Gesprächsrunden ein sachliches Feedback zu geben, dass die Gruppe in ihrer weiteren Arbeit unterstützen soll. Darüber hinaus finden zahlreiche Workshops für Lehrer und Schüler statt.

Das Publikum ist vom Fach, das spürt man bei allen Aufführungen. Die zumeist jungen Zuschauer spenden lauten Beifall für besondere Inszenierungsansätze, etwa, wenn Graf Dracula als überdimensionaler Patron (auf einer Leiter stehend) über die Wirtshausbesucher in Transsilvanien wacht. Oder wenn – wie bei „Funny Games“ – ein junger Schlagzeuger alle Stimmungen auf der Bühne sowie die Beamerinstallationen live untermalt. Bewegend auch die Darbietung des Werkstatttheaters Füssen: Ein Jahr lang haben die Schüler an Marionetten gebaut, ehe sie zusammen mit ihnen die Bühne betraten und das Publikum mit ihrer unaufdringlichen, aber rührenden Geschichte von der „Schönen und das Biest“ verzauberten.

Die Theatertage bewegten! Sie zeigten, was Jugendliche heute bewegt, sie brachten Bewegung durch Sprache, Mimik und Gestik, sie zeigten, dass alte Geschichten wie Märchen und Sagen bewegen. Und sie bewegten viele Zuschauer quer durch Bayern in die Stadt Weilheim, die sich zusammen mit der dort ansässigen Realschule als hervorragende Gastgeber erwiesen hat.

Text:     Cornelia Kolb-Knauer, Sabine Hrach

Fotos:   Sepp Vodermeier, Michael Menz

 

 

Hintergrund – Die teilnehmenden Schulen, ihre Leiter sowie ihr Festivalbeitrag:

  • RS Weißenburg (Eva Hummel, Christine Geitner) – Die besseren Wälder (eine Fabel)
  • RS Weilheim (Sabine Junkers-Haunstetter) – The Snow Queen
  • Gnadenthal-Mädchenrealschule Ingolstadt (Eva Leopold) – Krabat
  • Agnes-Bernauer-Realschule Augsburg (Gabriele Blaimer, Werner Kruse) – Das Leben ist ein Märchen
  • Karl-Meichelbeck-Realschule Freising (Gudrun Lorenz, Conny Schreiber) – Dracula
  • JHH Company, Johann-Jakob-Herkomer-Realschule Füssen (Sabine Schmid) – KOMM.MACH.MIT
  • Werkstatt-Theater, Johann-Jakob-Herkomer-Realschule Füssen (Doris Asmanoglo, Daniela Hartung) – Die Schöne und das Biest
  • Graf-Stauffenberg-RS Bamberg (Thomas Paulmann, Olga Seehofer) – Funny Games
  • RS der Pfingstrittstadt Bad Kötzting (Joseph und Juliane Jehlicka) – A kloans bisserl Horror